Herbst­be­richt 2020

Das Apfel­jahr 2020 im Ber­gi­schen Land

Das Apfel­jahr 2020 begann im Apfel­jahr 2019. Das klingt eigen­ar­tig, ist aber ganz natür­lich. Nach einem ertrag­rei­chen Jahr nei­gen vie­le Obst­bäu­me dazu, kaum Blü­ten­knos­pen aus­zu­bil­den, wodurch im Fol­ge­jahr nur mit weni­gen Früch­ten zu rech­nen ist. Die­ser Vor­gang nennt sich Alternanz und führt zu mehr oder weni­ger bere­chen­ba­ren Ertrags­schwan­kun­gen. Wir haben uns der Alternanz ange­passt, indem wir unser Saft­la­ger so weit aus­ge­baut haben, dass wir in schwa­chen Ern­te­jah­ren von den Äpfeln des Vor­jah­res zeh­ren, und so (fast) immer Ber­gi­schen Apfel­saft lie­fern können.

2019 hat­ten die Bäu­me kaum Äpfel getra­gen, dem­entspre­chend fiel die Blü­te im Früh­jahr 2020 sehr gut aus und über­all im Ber­gi­schen Land waren schnee­wei­ße Apfel­bäu­me zu sehen. Ab die­sem Zeit­punkt ent­schei­det jedoch nicht mehr der Baum, son­dern die Wit­te­rung über eine erfolg­rei­che Ern­te. Genau zu den Eis­hei­li­gen, inmit­ten der Apfel­blü­te, fiel nachts die Tem­pe­ra­tur in vie­len Ecken des Ber­gi­schen Land und an der Sieg unter null Grad und ließ damit die emp­find­li­chen Blü­ten und jun­gen Fruch­t­an­sät­ze erfrie­ren. Wäh­rend es dadurch stel­len­wei­se zu Total­aus­fäl­len kam, ent­wi­ckel­ten sich immer­hin die Äpfel an den Bäu­men in geschütz­ter Lage präch­tig. Auch die etwa zwei Wochen frü­her blü­hen­den Bir­nen­bäu­me hat­ten den Frost gut über­stan­den und zeig­ten vie­le Fruchtansätze.

Mit der erhoff­ten star­ken Apfel­ern­te hat­te es sich damit den­noch schon im Mai erle­digt. Unse­re Ern­te­pro­gno­se im Juni sah nun zwar durch­wach­sen, aber immer noch nicht düs­ter aus. Lei­der muss­ten wir die Pro­gno­se im Lau­fe des Som­mers noch wei­ter nach unten kor­ri­gie­ren. Unse­re Streu­obst­äp­fel sind natur­be­las­sen, exten­siv bewirt­schaf­tet und wer­den nicht gespritzt. Dadurch fällt jedes Jahr auch ein Teil der Äpfel den Rau­pen des Apfel­wick­lers zum Opfer, ein Nacht­fal­ter, der war­me Tem­pe­ra­tu­ren beson­ders gern hat. Durch die zuletzt hei­ßen Som­mer konn­te sich der Apfel­wick­ler in den letz­ten Jah­ren so gut ent­wi­ckeln, dass er einen erheb­li­chen Ein­fluss auf unse­re Apfel­ern­te hat. Die befal­le­nen Früch­te wer­den faul und der Baum lässt sie fal­len. So wur­de die Ern­te erneut ausgedünnt.

Anfang Sep­tem­ber geht es dann los mit der Apfel­ern­te: Die Vor­rä­te der vori­gen Ern­te sind auf­ge­braucht und der fri­sche Saft der 2020-er Äpfel kommt direkt auf die Fla­sche. Wir freu­en uns über gute Qua­li­tä­ten und unse­re Obst­lie­fe­ran­ten über kur­ze War­te­zei­ten an der Obst­an­nah­me. Lei­der zeich­net sich schon früh ab, dass wir unser Saft­la­ger nicht voll bekom­men wer­den, Frost, Tro­cken­heit und Schäd­lings­be­fall haben ein­fach zu vie­le Schä­den hin­ter­las­sen. Um trotz­dem das gan­ze Jahr über guten Apfel­saft lie­fern zu kön­nen, müs­sen wir in Fol­ge von nun­mehr drei unzu­rei­chen­den Ern­ten Äpfel von außer­halb der Regi­on zukau­fen. Zum Glück hat­ten wir die Mög­lich­keit, hoch­wer­ti­ge Äpfel aus Würt­tem­berg zu ergat­tern. Die­se stam­men genau wie unse­re Äpfel von Streu­obst­wie­sen und Wei­den, sind also natur­be­las­sen und unge­spritzt. Des­halb ste­cken ab jetzt bis zur nächs­ten Apfel­ern­te in jeder Fla­sche von unse­rem Apfel­saft ein (gerin­ge­rer) Teil Würt­tem­ber­gi­sche Streuobstäpfel.

Wir fin­den sie ver­tra­gen sich sehr gut, hof­fen natür­lich trotz­dem auf ein gutes Apfel­jahr 2021 und bedan­ken uns ganz herz­lich bei all unse­ren Obst­lie­fe­ran­ten, denn die Äpfel lesen sich ja schließ­lich nicht von allei­ne auf!